Zwei ganz unterschiedliche Wege etwas Offensichtliches zu fordern: Die ZEIT und die Heute-Show fordern klare Regeln für Geimpfte und Genesene. Sie kritisieren, dass beim Treffen der Kanzlerin mit den Ministerpräsident*innen nicht viel herauskam.
Lockerung für Geimpfte und Genesene
Heinrich Wefing kritisiert in seinem Kommentar in ZEIT, dass es immer noch keine Entscheidungen für den Umgang mit Geimpften und Genesenen gibt, obwohl lange klar war, dass dieser Moment kommen wird. Grundrechte sind kein Privileg, auch wenn es kurzzeitig zu einer Ungleichbehandlung kommt. Die Pandemie zeigt, wie wurstig das Verhältnis dieser Regierung zur Freiheit ist, wie taktisch und instrumentell.
Her mit dem digitalen Impfpass und Schluss mit der Impfbürokratie
Die Heute Show kritisiert das „Kaffeekränzchen“ bei Merkel und fordert zurecht den digitalen Impfpass und ein Ende der Impfbürokratie.
Die Heute Show bringt es mal wieder auf den Punkt: Es läuft einiges schief in der derzeitigen Impfpolitik. Waren es am Anfang zu wenig Masken und zu wenig Tests ist es jetzt zu wenig Impfstoff.
Realitätsverlust auf allen Seiten
Alle Seiten bekommen gleichermaßen ihr Fett ab. Die Kanzlerin attestiert Oliver Welke, weil sie sich in einem großen Interview behauptete, dass keine Fehler gemacht wurden. Nicht viel besser die SPD, deren Spitzenkandidaten mit einigen Kampfausdrücken die Politik der eigenen Regierung kritisiert: Wenn‘s schief läuft, waren’s die anderen
Egoistisches Verhalten der reichen Staaten
Vergleicht man unsere Probleme mit dem Rest der Welt ist es immer noch Jammern auf hohem Niveau. Die reichsten 10 Länder haben sich 75 % des Impfstoffs gesichert. Für die Tests waren die armen Länder der Südhalbkugel gut genug, jetzt müssen sie viel Geld bezahlen. Aber auch für den reichten Norden kann dies zum Eigentor werden, prophezeit Welkte: Nur wenn wir global durch die Krise kommen, bleiben wir von Virus und Mutationen verschont.
Die vom Virus am härtesten gekniffenen Berufe
Auch die Suche nach dem am härtesten betroffenen Berufe hatte es in Sicht: Aufgezeigt wurde die Situation von Erzieherinnen, die auch während des Lockdowns mit vielen Kindern zu tun haben, die sich naturgemäß nicht um die AHA-Regeln scheren. Während ihnen nicht mal ausreichend Tests und Masken zur Verfügung stehen, fliegen die Fußball-Profis um die Welt, also ob nichts wäre.
„Was ist los mit den Schwaben?“ fragt nicht nur die Heute Show, sondern auch seriöse Medien.
Was ist los mit den Schwaben?
Zunächst der Bericht Fabian Köster von der Querdenker-Demo in Konstanz. Exemplarisch werden verschiedene Varianten der Demonstranten vorgestellt.
Der deutsche Bible Belt und die Anti-Corona-Proteste
Der SPIEGEL beschreibt die Verbindungen zwischen den Protest gegen die Corona-Politik in Dresden und Stuttgart: Widerstandsidentität, evangelikale Strukturen und eine verbreitete Liebe zur AfD. Beide Regionen eint die Hauptsache-Dagegen-Haltung – zurückzuführen auf eine gemeinsame Feindbildkonstruktionen. Diese haben ihre Wurzel in einem konservativ-christlichen Wertebild, der auch Verzweigungen in die AfD hat.
Die Bilder aus Leipzig sind schwer zu ertragen: Während die Infektionszahlen neue Rekordhöhen erreichen und sich die Krankenhäuser mit Covid19 Erkrankten füllen, tanzen Querdenker Polonäse. Weiterhin gilt, dass das Demonstrationsrecht ein hohes Gut ist und in einer Demokratie Meinungsfreiheit herrscht, in der auch abstruse Meinungen geäußert werden dürfen. Für einige Kommentatoren geht es aber zu weit.
Schränkt die Versammlungsfreiheit ein
Timo Lehmann kritisiert im SPIEGEL, dass der Staat die Corona-Auflagen nicht durchsetzen konnte. Deshalb sollten solche Großveranstaltungen vorübergehend eingeschränkt werden – oder verboten. Das Verhalten der Demonstranten ist eine Ohrfeige ins Gesicht alle jener, die gerade versuchen, sich strikt im Sinne der Gemeinschaft an die Regeln zu halten Eine gänzliche Aussetzung der Versammlungsfreiheit ist nicht nur rechtlich schwierig, überzeugend finde ich deshalb Lehmanns Vorschlag, die Anzahl zu deckeln und an die Demonstrationen an Orten zu genehmigen, an denen sie wenigstens niemand anders gefährden.
Rücksichtslosigkeit ist kein Freiheitsrecht
Ähnlich argumentiert Bundespräsident Steinmeier: Friedlicher Protest muss auch in der Pandemie möglich sein, das Verhalten der Demonstranten kritisiert er zurecht scharf: "Wo einige Zehntausend Menschen die Auflagen missachten, die Regeln verspotten und weder auf Abstand achten noch Masken tragen, da werden Grenzen überschritten."
Einige Corona-Rebellen überschreiten Grenzen
Nach wie vor kann ich viele Sorgen und Bedenken verstehen. Einige selbst ernannten Corona-Rebellen überschreiten aber mittlerweile jegliche Grenzen – auch des Anstands. Was sind das für Leute, die in öffentlichen Verkehrsmitteln andere Leute anbrüllen, dass die ihre Masken absetzen sollen? Die passende Antwort findet Oliver Welke in der Heute Show:
Im dritten Teil der Reihe geht es um die Frage, wie man am besten mit Verschwörungstheorien am besten umgeht:
Methoden Kretschmer oder Kretschmann
Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte mit Gegnern der Schutzmaßnahmen in Dresden diskutiert – ohne Mundschutz und Abstandsregeln. Dies hatte der baden-württembergische Ministerpräsident kritisiert. Er betont das Recht auf Proteste, möchte aber nicht mit Menschen diskutieren, die "alles was wir machen für mehr oder weniger falsch halten" – er setzt auf Aufklärung.
Helfen Aufklärung und Bildung?
Die Politikwissenschaftlerin Nocun glaubt nicht, dass mehr Bildung das Problem lösen wird. Sie verweist darauf, dass auch Menschen mit einem Universitätsabschluss und finanziell abgesichert sind, an solche Erzählungen glauben. Dennoch sind fundierte Informationen sicher ein Weg, um einen fundierten Diskurs führen zu können.
Auf Widersprüche aufmerksam machen
In manchen Fällen kann es hilfreich sein, dagegenzuhalten. Eine Staatengemeinschaft, die leider in den internationalen Beziehungen kaum mehr was zustande bringt, vereinigt sich unter Anleitung von Bill Gates, um mit einem Virus die Weltbevölkerung auf 500 Millionen Menschen zu bringen? Und ein veganer Koch ist gemeinsam mit einem Sänger einer der wenigen, der dies durchschaut?
Erstmal durchatmen ist dann auch einer der Tipps im Umgang mit solchen Geschichten. Die Süddeutschen Zeitung nennt weitere Punkte wie Quellen prüfen, skeptisch sein und nicht nach Sündenböcken suchen.
Klare Abgrenzung
Bei manchen „Meinungsäußerungen“ hilft aus meiner Sicht nur noch klare Abgrenzung oder eine Anzeige. Mit Leuten, die zum Mord auffordert, unsere Politiker*innen mit Hitler und Stalin gleichsetzen oder sich mit Judenstern in eine Reihe mit den Opfern des Holocaust stellen, kann und sollte man nicht diskutieren. Natürlich kann niemand was für die Gesinnung seiner Mitdemonstrant*innen, wer aber in einem Meer von Reichskriegsflagge mit marschiert, sollte sich überlegen, ob er auf der richtigen Demo ist.
Einfach ignorieren
Vielleicht ist es in manchen Fällen besser, die Leute einfach zu ignorieren. Nicht jeder, der tweetet oder ein Video auf Youtube einstellt, hat was Fundamentales zu sagen. Durch die permanente Medienpräsenz werden manche von ihnen wichtiger gemacht als sie sind.
Bleibt zum Schluss noch Humor
Christian Ehring hat es bei Extra 3 auf den Punkt gebracht: „Eine Diktatur, gegen die man mit Genehmigung demonstrieren darf, ist keine Diktatur oder eine sehr erbärmliche Diktatur“. Er hinterfragt auch einige der „Argumente“ der Gegner und B-Promis.
Claus von Wagner, Max Uthoff und ihre Gäste haben sich in ihrer Satiresendung "Die Anstalt" mit dem Gesundheitssystem beschäftigt. Es ist natürlich überspitzt dargestellt, aber das ist ja auch die Aufgabe von Satire – absolut empfehlenswert!
Die Folgen der Ökonomisierung im Gesundheitssystem
In der Sendung werden zahlreiche Fehlentwicklungen aufzeigt, die auch im Faktencheck nachzulesen sind.
Einige „Highlights“
Ärzte und Pfleger gelten im ökonomisierten Krankenhaussystem als Kostenfaktoren mit 15% Rendite. Der Vorwurf, dass vor dem Fallpauschalensystem die Kosten explodiert sind, stimmen nicht: Die Ausgaben für das Gesundheitssystem sind die letzten Jahrzehnte immer gleich geblieben. Sie betragen im Verhältnis zur Wirtschaftskraft konstant 6,5%. Scharf kritisiert werden auch Bertelsmann und Co., die mit fragwürdigen Methoden die Ökonomisierung des Krankenhauswesens vorangetrieben haben.
Zu viele Krankenhäuser?
Ein interessanter Aspekt ist auch, dass bis vor kurzem viele die Schließung von Krankenhäuser gefordert haben – auch Karl Lauterbach, der derzeit in vielen Talkshows zu sehen ist: „Jeder weiß, dass wir in Deutschland mindestens jede dritte, eigentlich jede zweite, Klinik schließen sollten. Dann hätten wir anderen Kliniken genug Personal, geringere Kosten, bessere Qualität, und nicht so viel Überflüssiges. Länder und Städte blockieren“.
Newton und Merkel stellen das neue Gesundheitssystem vor
Köstlich auch das Finale mit Merkel und Newton, in dem sie das neue Gesundheitssystem vorstellen, u.a.
Abschaffung des Fallpauschalensystems
Öffentliche Hand kehrt zurück zur Finanzierung des Krankenhaussystems
10 Mrd. für ein Rettungspaket für Pfleger anständige Löhne, die sich nur noch um 5 Patienten kümmern müssen
Gesundheitsökonomen sollen die Regale einräumen
Alle Minister spenden 20 % ihres Gehalts wie in Neuseeland
Die ganze Sendung sehen Sie auf der Homepage der Anstalt.